Der am 2. Juni 2026 veröffentlichte Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes mit dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ zeichnet ein besorgniserregendes Bild der sozialen Lage in Deutschland. Die relative Einkommensarmut hat im Jahr 2025 mit einer Quote von 16,1 Prozent einen historischen Höchststand im seit 2020 erfassten Beobachtungszeitraum erreicht. Insgesamt sind rund 13,3 Millionen Menschen hierzulande von Armut betroffen. Damit setzt sich eine deutliche negative Trendwende fort: Nach einem vorübergehenden Rückgang der Armut bis zum Jahr 2023 (14,4 Prozent) stieg die Quote bereits 2024 auf 15,5 Prozent und kletterte im Folgejahr weiter nach oben.
Alleinerziehende, Ein-Personen-Haushalte, Altersarmut
Besonders gefährdet sind spezifische soziodemografische Gruppen. Nahezu jede dritte Person in Ein-Personen-Haushalten (30,3 Prozent) sowie bei den Alleinerziehenden (28,9 Prozent) lebt unterhalb der Armutsschwelle. Auch im Alter nimmt das Risiko drastisch zu: Die Armutsquote der über 65-Jährigen liegt bei 19,5 Prozent, was fast jedem Fünften entspricht. Der Bericht warnt eindringlich davor, dass der Lebensabend in Deutschland zunehmend zur Armutsfalle wird.
Frauen eher betroffen als Männer
Frauen sind mit 16,7 Prozent insgesamt häufiger betroffen als Männer (15,6 Prozent). Diese Schere geht vor allem im Alter weit auseinander: Bei den über 65-jährigen Frauen liegt die Quote bei 21,3 Prozent, was primär auf strukturelle Benachteiligungen im Erwerbsleben, ungleiche Verteilung von Sorgearbeit und daraus resultierende geringere Rentenansprüche zurückzuführen ist. Weitere Hochrisikogruppen sind Arbeitslose, Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft sowie Personen mit niedrigem Bildungsstand.
Materielle Entbehrung bei 1 Million Kinder und Jugendlichen
Neben der Einkommensarmut beleuchtet die Analyse die materielle und soziale Deprivation. Demnach leben aktuell 4,6 Millionen Menschen in erheblicher materieller Entbehrung – darunter etwa eine Million minderjährige Kinder und Jugendliche sowie 650.000 Altersrentner*innen. Zudem zeigt die Statistik tiefe regionale Gräben: Während in Bayern etwa jede achte Person als arm gilt, ist es in Sachsen-Anhalt mehr als jede fünfte und im Bundesland Bremen sogar mehr als jede vierte Person.
Kampagnen gegen Sozialleistungsbeziehende
Der Paritätische Gesamtverband übt scharfe Kritik an aktuellen politischen Sparplänen. Vorgeschlagene Kürzungen der Regierung, etwa beim Wohngeld oder beim Unterhaltsvorschuss, würden die Situation von ohnehin vulnerablen Gruppen wie Rentnern und Alleinerziehenden weiter verschärfen. Der Verband fordert stattdessen eine gezielte Stärkung der sozialen Infrastruktur, gute Löhne, bezahlbaren Wohnraum und eine verlässliche Existenzabsicherung, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Stabilität zu sichern. Gleichzeitig wird vor einer Stigmatisierung und politischen Kampagnen gegen Sozialleistungsbeziehende gewarnt.
Quelle: Paritätischer Gesamtverband, Tagesschau, Zeit
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