Schulbarometer

Die Robert-Bosch-Stiftung hat das Deutsche Schul-Barometer veröffentlicht. Das Deutsche Schulbarometer ist eine repräsentative Umfrage an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland. Es ermöglicht, frühzeitig Entwicklungen zu beschreiben, indem Beobachtungen und Einschätzungen von Personen erfasst und untersucht werden, die Schulen täglich mitgestalten und erleben. Aktuelle Herausforderungen und Bedarfe können so erkannt und daraus Empfehlungen für Entscheidungsträger: innen im Bildungssystem abgeleitet werden.

Befragungsinstrumente

Das Deutsche Schulbarometer wurde in 2024 umfassend weiterentwickelt und besteht aus drei Befragungsinstrumenten: 

  • die aktuelle Situation an Schulen aus der Sicht von Lehrkräften,
  • Befragung von Kindern, Jugendlichen und ihren Erziehungsberechtigten zum psychischen und schulischen Wohlbefinden von Schüler:innen sowie zu psychosozialen Versorgungsstrukturen inner- und außerhalb von Schulen,
  • ergänzt werden diese beiden Erhebungen durch das Deutsche Schulbarometer Fokus. Mit diesem Befragungsinstrument werden aktuelle Schwerpunktthemen vertiefend untersucht.

Schülerinnen und Schüler

Bei der Befragung der Schüler:innen geht es nicht um Kompetenzen in Mathe, Physik oder Deutsch, sondern es wird abgefragt, wie es ihnen geht, wie wohl sie sich an ihrer Schule fühlen und was sie sich wünschen. Für die repräsentative Studie wurden 1.507 Kinder und Jugendliche von 8 bis 17 Jahren aus allen Schulformen befragt. 

Die zentralen Ergebnisse dieses Teils des Schulbarometers sind:

  • Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen nimmt deutlich zu: Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler fühlt sich seelisch belastet. Das ist ein Anstieg um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. 
  • Zudem gaben 26 Prozent der Befragten an, dass sie eine geringe Lebensqualität hätten. 
  • Besonders entscheidend für die mentale Gesundheit ist demnach die soziale Herkunft. Kinder aus einkommensschwachen Familien sind von dieser Belastung überdurchschnittlich betroffen: 31 Prozent von ihnen berichteten von psychischen Belastungen und 36 Prozent von niedriger Lebensqualität. 
  • Armut wirkt sich also unmittelbar auf die psychische Gesundheit aus. Gleichzeitig empfindet fast die Hälfte aller befragten Schülerinnen und Schüler einen hohen Leistungsdruck und gibt an, auch am Wochenende für die Schule lernen zu müssen.

Mobbing

Mobbing ist für viele der jungen Leute Alltag: Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen wird mindestens einmal im Monat von Mitschülerinnen oder Mitschülern schikaniert. Jeder Zehnte sogar wöchentlich oder täglich. Besonders häufig sind 14-Jährige betroffen (38 Prozent). Dabei wird Mobbing im persönlichen Kontakt häufiger erlebt als Cybermobbing, beides tritt aber oft in Kombination auf. Immerhin wissen vier von fünf Schülern, an wen sie sich für Hilfe wenden können.

Zuhören und Mitreden

Schülerinnen und Schüler fühlen sich kaum gehört und möchten mehr mitreden. Es gibt eine große Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei der Mitbestimmung: Drei Viertel der Befragten wünscht sich mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate. Vier Fünftel geben an, hier kaum mitreden zu können. 43 Prozent der Befragten empfinden die etablierten Gremien wie Schülervertretungen an ihrer Schule als wirkungslos. Und an knapp zehn Prozent der Schulen gibt es noch nicht einmal eine Schülervertretung – bei den Grundschulen sind es sogar 22 Prozent. Gleichzeitig zeigt das Schulbarometer einen deutlichen Zusammenhang zwischen mentaler Gesundheit und Mitbestimmung: Wer mehr mitentscheiden darf und dadurch Selbstwirksamkeit spürt, fühlt sich in der Schule wohler.

soziale Herkunft entscheidend

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Bestätigung, dass die soziale Herkunft weiterhin einer der stärksten Prädiktoren für die psychische Gesundheit und die Lebensqualität von Kindern in Deutschland ist. Kinder aus einkommensschwachen Familien berichten überproportional häufig von psychosomatischen Beschwerden, geringem Wohlbefinden und einer reduzierten Lebenszufriedenheit. Diese Daten unterstreichen, dass Armut ein zentrales Hemmnis für die Bildungsgerechtigkeit und die gesunde Entwicklung darstellt. Die betroffenen Kinder erleben Schule häufiger als einen Ort der Überforderung und der sozialen Exklusion, was die langfristigen Bildungschancen massiv beeinträchtigen kann.

Quellen: Robert-Bosch-Stiftung, correctiv

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Jahreswirtschaftsberichte

Was haben Jahreswirtschaftsberichte bei FOKUS-Sozialrecht zu suchen? Als Ergebnis einer jahrelangen Debatte über die über die Unzulänglichkeit des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als alleiniger Maßstab für gesellschaftlichen Fortschritt wurden 2025, im letzten Jahreswirtschaftsbericht der Ampelregierung, neben der wirtschaftlichen Entwicklung auch die Entwicklung der soziale Gerechtigkeit, ökologische Grenzen und Zukunftsfähigkeit in Zahlen und Grafiken dargestellt. In der Dimension der sozialen Gerechtigkeit legte der JWB 2025 offen, dass materieller Wohlstand allein nicht ausreicht, um die Lebensqualität aller Bevölkerungsgruppen zu sichern. Besonders kritisch wurde die Entwicklung der Wohnkosten und der regionalen Unterschiede betrachtet.

Multidimensionale Wohlfahrtsmessung

Der Vergleich der Jahreswirtschaftsberichte (JWB) 2025 und 2026 offenbart nun einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel in der deutschen Wirtschaftspolitik. Während der JWB 2025 unter einem „Beyond GDP“-Ansatz eine multidimensionale Wohlfahrtsmessung etablierte, kehrt der JWB 2026 unter Bundesministerin Katherina Reiche zu einer klassischen, angebotsorientierten Wachstumsagenda zurück.

Der JWB 2025 integrierte systematisch über 30 Indikatoren in vier Dimensionen: wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, ökologische Grenzen und Zukunftsfähigkeit. Konkret wurden Kennzahlen wie die Rohstoffproduktivität, die Zirkularitätsrate (Recyclinganteil), der Index für Artenvielfalt, der Gender Pay Gap sowie die subjektive Lebenszufriedenheit detailliert abgebildet. Dieser Ansatz zielte darauf ab, die sozial-ökologische Transformation messbar zu machen und Zielkonflikte zwischen Wachstum und Naturschutz transparent darzustellen.

Rückwärtsgang

Im JWB 2026, betitelt „Investitionen und Reformen für Wachstum und Resilienz“, wurde dieses Kapitel zur Wohlfahrtsmessung gestrichen. Das Ministerium rechtfertigt dies damit, dass die Werte kaum jährliche Schwankungen zeigten und auf spezialisierte Berichte wie die Nachhaltigkeitsstrategie oder den Armuts- und Reichtumsbericht verwiesen werden könne. Stattdessen fokussiert der Bericht auf sechs Handlungsfelder: Bürokratieabbau (Senkung der Kosten um 25 %), massive Infrastrukturinvestitionen über ein Sondervermögen (118,2 Mrd. Euro in 2026), Senkung der Energiepreise für die Industrie sowie die Mobilisierung von Arbeitskräften und privatem Kapital.

Wohlstands-Kahlschlag

Kritiker wie Sven Giegold bezeichnen dies als „Wohlstands-Kahlschlag“. Er argumentiert, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) allein kein ausreichender Indikator sei, da es Naturschäden oder soziale Verteilung ignoriere; so steigere etwa die Abholzung eines Waldes das BIP, mache die Gesellschaft aber real ärmer. Durch die Streichung verlange der Bericht seine Funktion als ganzheitliches Steuerungsinstrument. Auch Ökonomen bewerten die neue Fokussierung kritisch: Das prognostizierte Wachstum von 1,0 % für 2026 basiere zu einem erheblichen Teil auf statistischen Effekten (viele Feiertage an Wochenenden) und schuldenfinanzierten Staatsausgaben, während die Binnennachfrage durch Kürzungen im Sozialstaat gedämpft werde.

Verlust an Transparenz über ökologische Kosten

Die Folgen dieser Indikatoren-Streichung sind vielfältig: Es droht ein Verlust an Transparenz über ökologische Kosten, eine Schwächung sozialer Frühwarnsysteme und eine internationale Beschädigung der Vorreiterrolle Deutschlands bei modernen Wohlfahrtsmaßen. Während die Regierung auf eine „wachstumsfreundliche Konsolidierung“ setzt, warnen Experten vor einer ideologischen Verengung, die langfristige ökologische und soziale Grundlagen des Wohlstands aus dem Blick verliert.

Quellen: Bundeswirtschaftsministerium 2025, Bundeswirtschaftsministerium 2026, Hans-Böckler-Stiftung, Sven Giegold, Maja Göpel, wikipedia

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